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German Laser Sailing Class Association - Deutsche Laserklasse DLAS
 
Schlaglichter zur Worlds aus der Sicht von vier der 17 deutschen Teilnehmer.
 
   Gleich vorne weg: Die deutsche Mannschaft mit nur 17 Segler/innen stellt einen Weltmeister! Was wollen wir eigentlich mehr? Super Glückwunsch an Murksi (Michael Nissen), für den wir uns sehr, sehr freuen! Die Mannschaft hat sich gut miteinander verstanden, kommuniziert und sich geholfen. Wir hatten eine Whatsapp-Gruppe an der die meisten beteiligt waren, alle anderen haben wir über Wichtiges auf die gute alte Art im Hafen informiert. Wir hatten wieder unser Regattadinner, das sollten wir bei jeder Worlds versuchen. Es ist mittlerweile eine wunderbare Tradition!
 
Warten auf Wind
 
   Soweit als Einleitung - jetzt lassen wir zuerst unseren Weltmeister zu Wort kommen:
 
   Die Altstadt von Split ist atemberaubend. Das Wetter war durchgehend schön: fast nur wolkenloser Sonnenschein. Inselrundfahrten für die Damen, Stadtführungen und Landausflüge machten das Ereignis zu einem großen Erfolg für alle die an Land blieben!
 
Palast
 
   Auf dem Wasser sah die Sache schon anders: 6-7 Wettfahrten von angesetzten 12 wurden erreicht. Mehrere Tage ging wegen des leichten Winds überhaupt nichts. Der Gradient liess für die gesamte Woche kaum Wind zu. Die Hoffnung und Rettung war die Thermik aus Südwest ab 15.00 Uhr, die regelmäßig kam. Manchmal allerdings erst nach 5 Stunden Warten ohne Wind im Sonnenschein.
 
   Die gesegelten Regatten waren alle sehr gut ausgelegt und wurden perfekt durchgeführt. Wie bei thermischen Wind üblich gab es nur leichte Winddrehungen. Man hätte sich manchmal eine geringere Fixierung der Wettfahrtleitung auf die nachmittägliche Thermik gewünscht. Morgens bis 11.30 stand manchmal ein durchaus brauchbarer Südwind (thermischer Nachtwind), der allerdings ungenützt verstrich.
 
   Für mich war der Weltmeistertitel bei den Great Grand Master ein schöner Erfolg. Mein schlechtes Ergebnis in den Läufen war ein 3. Platz. Aber Mark Bethwaite, der Seriensieger der letzten zwei Jahrzehnte war vor dem letzten Lauf nur einen Punkt hinter und 2,5 Lebensjahre vor mir. Ich hatte meinen Söhnen gemailt, ich würde die Siebzigjährigen schon niederringen, was auf eine gewisse Selbstüberschätzung und ein etwas schiefes Selbstbild schließen lässt. (ich werde demnächst 67).
 
   Den letzten Lauf beschreibe ich etwas detaillierter:  Um noch zu siegen, musste Mark vor mir sein und sich besser platzieren als auf Platz drei. Das war eine günstige Ausgangsposition für mich. Jedoch hatten wir uns beide bei allen Läufen unten den ersten drei platziert. Ein Zurücksegeln versprach daher wenig Erfolg.
   Nach 3,5 Stunden Wartezeit auf dem Wasser bei Sonne kam der Wind. Nach zwei Fehlstarts der Felder vor uns, fiel unser Ankündigungssignal 40 Sekunden vor Ende der festgelegten letzten Startmöglichkeit! Der Wind blies mit 12 bis 14 kn aus Südwest. Ich startete am Pinnende, nachdem die Wettfahrtleitung dieses noch etwas nach Luv gezogen hatte. Mark ging am Startschiff ins Rennen. Nach kurzer Zeit konnte ich mich frei segeln, wenden und die Parade abnehmen. Leider musste ich wegen anderer Boote, die auf mich wendeten Bethwaite doch weiter alleine ziehen lassen, als mir lieb war. Wir kamen eng zusammen als 3. und 4. ums Luv Fass. Hinter ihm zu sein, war zwar schlecht aber der 3. nützte ihm auch nichts. Bis zum Lee Fass (Inner Loop) war Mark geteilter Erster und ging frei ums rechte Fass. Ich war 3. und damit insgesamt auf dem Vize-Platz. Bis zur letzten Vorwindstrecke änderte sich an der engen Reihenfolgen Peckover, Bethwaite, Nissen nichts. Kurz hinter uns war der Südafrikaner Alan Keen.
 
   Zu meiner Verblüffung war die linke Spur in Fahrtrichtung auf der Vorwindstrecke frei. Versprach sie doch einen Überlappungsvorteil in Lee vor der letzten Raumstrecke. Mark segelte rechts und die beiden anderen eher mittig. Die Sache ging auch wegen der nachlassenden Thermik ziemlich hin und her. Dennoch ging Doug Peckover als erster auf die Raumstrecke. Ich überlappte innen und hatte die beiden anderen außen und war damit wieder erster. Mark gelang es, auf der Raumstrecke Alan in Lee zu überholen und rundete zur Zielkreuz eine halbe Bootslänge hinter mir. Mark wendete auf Backbord. Ich folgte sofort. Dabei gelang es mir die wohl schlechteste Wende der Woche zu machen. Als ich wieder auf Geschwindigkeit war, lag Mark unten voraus und es war zweifelhaft ob er nicht sogar nach einer Wende durchkommen würde. Ich erspare dem geneigten Leser meine Gedanken dazu. Mir blieb eigentlich nur, ihn bestmöglich über das Lee Fass der Ziellinie hinaus zu segeln und nach einer Wende eine Innenüberlappung seinerseits zu verhindern. Mark wendete jedoch auf Steuerbord, als er das Zielschiff liegen konnte. Trotz meiner wohlgemeinten Raumrufe hielt er durch. Mir blieb zur Kollisionsvermeidung nur ein leichtes Abfallen. Leider gelang mir auch das nicht perfekt, so dass ich mit dem Bug leicht seinen Baum berührte. Er machte sofort seinen Strafkringel und ich segelte durchs Ziel auf Steuerbord. Alan passierte mich dabei mit ca zwei Bootslängen Vorsprung auf Backbord. Fazit: viel Lärm um Nichts. Alan auf Backbordbug hätte Mark nicht mehr einholen können, selbst wenn er vor mir durchgekommen wäre. Und mit einem 3. Platz hätte er auch verloren.....Aber so mit Hosenträger und Gürtel ist es natürlich noch schöner!
 
Michael Nissen
 
Jetzt weitere  Eindrücken von Tom - Thomas W. Müller, Ute Noack und Thorsten Wyk, der dankenswerter Weise auch die Bilder zur Verfügung gestellt hat.
 
   Die Nerven der 350 Segler wurden durch die drangvolle Enge an Land und den sich nach dem Motto "... und morgens grüßt das Murmeltier" wiederholenden Tagesablauf auf eine harte Probe gestellt: Mehr oder weniger langes Warten an Land, 1h bei Minibrise auf die Bahn tuckern, gefolgt von mehr oder weniger langem Warten auf dem Wasser, gefolgt von 0-3 Rennen und anschließend bei abflauender Seebrise oder auch gegen an bei auffrischender Bora, 1 Stunde zurück in den Hafen. Mehrfach wurde so der Hafen erst mit Einbruch der Dunkelheit erreicht. Die Wettfahrtleitung hatte sich offensichtlich die Strategie zurechtgelegt nur bei Seebrise aus West zu starten und hat das konsequent durchgezogen. Mit dem Ergebnis, dass wenn gesegelt wurde, dann bei guten und fairen Bedingungen, aber eben nur 6-7 Mal an 7 Tagen statt der geplanten 12 Läufe.
 
   Ergebnistechnisch sind die Highlights aus Sicht von Team Germany schnell gesagt. Toller Sieg (mit Ansage durch Wolfgang) von Murksi  bei den GGM Standard und ein schöner 5ter von Wolfgang im 68 Boote starken Feld der GM Standard mit vielen klangvollen Namen. Der Rest hatte sich im Wesentlichen mehr ausgerechnet und hat die tägliche Wartezeit zur intensiven Diskussion von Trainingskonzepten für die 2018er Saison genutzt.
 
  Auf der Habenseite ist in jedem Fall die Stadt Split zu nennen, mit Ihrer spektakulären Altstadt in und um den Diocletian Palast aus dem 4ten Jahrhundert, sowie die gute Stimmung und Hilfsbereitschaft im Team Germany, sodass der 1500km Trip auch mit nur einer Medaille in guter Erinnerung bleibt.
 
   Die Infrastruktur des Hafens von Split war für eine Veranstaltung dieser Größe doch sehr begrenzt: 4 Slipanlagen, 1 Herren - und 2 Damentoiletten, keine Duschen, wenn man sich nicht in die Marinas drängte und nur sehr wenig Platz für 350 Boote. Aber der Verein und die Rennleitung haben extrem kompetent alles in den Griff bekommen und aus den begrenzten Rahmenbedingungen eine wundervolle Veranstaltung gemacht. Mit Opening und Prize-Giving Ceremony auf der Promenade, 2 Regattadinner, einem Abend mit einheimischem Musikerduo in der Pause, das spontan durch einen argentinischen Segler ergänzt wurde und bei Laser Seglern extrem wichtig - jeden Tag riesige Pastatöpfe, wenn wir vom Wasser kamen.
 
Musik
 
   Die Radials hatten einen kurzen, die Standards einen extrem weiten Weg zu ihrem Revier. Morgens kam man eigentlich immer bei wunderbarem Landwind in den Hafen, der gute Segelbedingungen suggerierte. Der musste aber erst einschlafen und dann der Seewind einsetzen - was er bis zu segelbaren Bedingungen leider nicht immer schaffte. Immer auf Wind von West zu warten, und den Morgenwind einfach zu ignorieren, war für mach einen Segler unverständlich.
 
​Warten auf Wind
Warten auf Wind
 
   Interessant war ein Tag, an dem gegen 17 Uhr die Bora durchkam und 350 Laser in den Hafen drückte. Im Internet wird von der first-ever Blockade gesprochen. Der Hafen wurde von den Motorbooten abgeriegelt und es wurden immer nur einige Boote auf einmal durchgelassen, damit nicht alles in den engen Hafenbecken an den wenigen Slipanlagen ineinander fuhr. Ich (Thorsten) konnte an diesem Tag einen persönliches Highlight erleben, dass bei mir als besonderer Moment lange positiv in Erinnerung bleiben wird, auch wenn die Situation durch das Zurückhalten der Boote an der Hafeneinfahrt entstanden ist: Ungefähr 15-20 Laser aus mehreren Nationen machten sich spontan auf den Weg einmal an der Promenade entlang um das Hafengelände zu fahren. Eine „Korsofahrt“ der besonderen Art.
 
Der Kurs des Korso
 
   Die Zuschauer an der Kaimauer schauten nicht schlecht, als wir, wie an einer Schnur gezogen jeden Winkel durchsegelten und quittierten es mit Jubeln und Applaus. Das war wirklich sehr bewegend.
 
    Auch sonst hatten die 346 Boote aus 37 Nationen etwas! Die meisten Segler/innen, die zu einem solchen Event kommen, sind angenehme und faire Segler/innen. Leider nehmen auch Segler an Worlds teil, die eigenen Interpretationen der Segelregeln im Kopf haben. Auch hätte ein wenig mehr Rücksicht beim Chaos an den Slipanlagen die Rückkehr in den Hafen deutlich entspannter ausfallen lassen.
 
 
  Torsten über seinen Ansatz für diese WM:
52 jähriger „Newcomer“ gewinnt Practice Race, zeigt dann aber Nerven und verzockt sich bei den Wettfahrten...
 
   So, oder so ähnlich könnte man mein Abschneiden bei meiner ersten Laser Worlds beschreiben.
Newcomer, weil ich mich erst 4 Jahre mit der Laserjolle und dem Regattageschäft im Segeln auseinandersetze. Der Sieg beim Practice Race hat sicher meine Erwartungen von „mal sehen was geht“ auf „da geht doch was“ geändert. Leider war, bei den wirklich wichtigen Wettfahrten, mein taktischer Plan eher uneffektiv. Es gelang mir nicht, in einem Feld von 69 Booten, einen weiteren guten Start heraus zu fahren, reine Nervensache.
 
Was bleibt für die Zukunft: Der älteste Segler soll über 80 Jahre gewesen sein. Also! „Da geht noch was“.
 
In diesem Sinne: Cheat the nursing home - die on your Laser
Zusammengestellt von  Carsten
GER 200050
 
Hier die Zusammenfassung der deutschen Ergebnisse:
 
   Neben dem Weltmeistertitel für Michel Nissen und je einem respektablen fünften Platz in Ihren Klassen für Wolfgang Gerz, Alexandra Weihrauch und Ute Noack konnten die deutschen Teilnehmer die folgenden Platzierungen für sich verbuchen: 
  
Standard App 
8 GER 197318 Nico Schäfferling 
  
Standard Master 
16 GER 209124 Roger Schulz 
30 GER 173330 Thomas W. Mueller  
31 GER 176645 Jan O. Schulz 
43 GER 179260 Reinhard Noack 
44 GER 205207 Lutz Hirsch 
50 GER 210142 Thorsten Wyk  
  
Standard Grand Master 
5 GER 209556 Wolfgang Gerz 
61 GER 207369 Steffen Poehlmann 
  
Standard Great Grand Mastern 
1 GER 192653 Michael Nissen 
  
Radial Master 
9 GER 208371 Thomas Buettner, Male 
21 GER 205206 Alexandra Weihrauch, Female (5te der Damen Wertung) 
33 GER 193228 Stefan Daubner, Male  
  
Radial Grand Master 
33 GER 198443 Peter Kraus, Male 
49 GER 201379 Ute Noack, Female (5te der Damen Wertung) 
  
Radial Great Grand Master 
36 GER 178145 Peter Dietmüller, Male, 75+ 
58 GER 212413 Rene Bright, Male, 75+